Prediqu RedaktionVeröffentlicht: Aktualisiert:

Sind Prognosemärkte legal? Die Rechtslage in Deutschland und Europa 2026

Kurz zusammengefasst: Prognosemärkte mit echtem Geld sind in Deutschland nicht erlaubt und nicht lizenzierbar — die Teilnahme kann sogar strafbar sein (§ 285 StGB). Neun europäische Aufsichtsbehörden gehen seit Juni 2026 koordiniert gegen unlizenzierte Anbieter vor. Legal sind dagegen Prognoseplattformen ohne Geldeinsatz: Wer mit einer kostenlosen, nicht käuflichen Spielwährung prognostiziert — wie bei Prediqu —, nimmt rechtlich an keinem Glücksspiel teil, denn ohne Einsatz fehlt eines der drei gesetzlichen Definitionsmerkmale des Glücksspiels. (Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung und keine Rechtsberatung.)

Wie definiert das deutsche Recht Glücksspiel?

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (§ 3 GlüStV) definiert Glücksspiel über drei Merkmale, die kumulativ vorliegen müssen: ein Einsatz (Geld oder geldwerter Vorteil), ein vom Zufall abhängiger Ausgang und die Aussicht auf einen Gewinn. Fehlt auch nur eines dieser drei Elemente, liegt rechtlich kein Glücksspiel vor. Genau hier verläuft die entscheidende Linie für Prognoseplattformen: Ein Angebot, bei dem die Teilnahme kostenlos ist und keine Geldbeträge riskiert werden, fällt nicht unter den Glücksspielstaatsvertrag, sondern in das erlaubnisfreie Gewinnspiel-Regime, das über das Lauterkeitsrecht (UWG), den Datenschutz (DSGVO) und den Jugendschutz reguliert wird.

Warum sind Echtgeld-Prognosemärkte in Deutschland verboten?

Echtgeld-Prognosemärkte scheitern in Deutschland an zwei Hürden zugleich. Erstens: Sportwetten sind zwar lizenzierbar, aber nur auf definierte Sportereignisse (§ 21 Abs. 1 i. V. m. § 4 Abs. 5 GlüStV). Wetten auf gesellschaftliche Ereignisse — Wahlen, Politik, Kultur, Wetter — sind sogenannte Gesellschaftswetten und gelten als nicht erlaubnisfähig: Es gibt schlicht keine Lizenz, die ein Anbieter wie Polymarket beantragen könnte. Zweitens: Das Anbieten unerlaubten Glücksspiels ist nach § 284 StGB strafbar, die Teilnahme nach § 285 StGB. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) in Halle setzt das durch — am 5. September 2025 warnte sie öffentlich und namentlich vor Polymarket. Seit Mai 2026 verfügt die GGL durch die Novelle des Glücksspielstaatsvertrags zusätzlich über eine Rechtsgrundlage für DNS-Sperren gegen illegale Anbieter; Zahlungsblockaden (§ 9a GlüStV) existierten bereits vorher.

Was passiert gerade in Europa?

Im Juni 2026 kündigten neun Aufsichtsbehörden — aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Portugal, Spanien und der Schweiz — ein koordiniertes Vorgehen gegen unlizenzierte Prognosemärkte an, zeitlich abgestimmt auf die Fußball-WM. Die Einzelmaßnahmen zeichnen ein klares Bild:

  • Frankreich: Die ANJ blockiert Polymarket bereits seit Ende 2024.
  • Portugal: 48-Stunden-Ultimatum im Januar 2026, nachdem rund 120 Millionen US-Dollar auf die Präsidentschaftswahl gehandelt worden waren.
  • Niederlande: Die Ksa verhängte ab Februar 2026 Zwangsgelder von rund 420.000 € pro Woche.
  • Spanien, Belgien, Polen, Italien: Sperrlisten und Blockadeverfügungen.
  • Kalshi, die größte regulierte US-Prognosebörse (Bewertung: 22 Milliarden US-Dollar), zog sich 2026 vollständig aus den EU-Märkten zurück, statt den Konflikt zu suchen.

Gleichzeitig öffnen sich zwei Türen: Gibraltar lizenzierte im März 2026 mit ADI Predictstreet den ersten regulierten Prognosemarkt Europas (ohne EU-Passportierung, also ohne Wirkung für Deutschland), und Malta arbeitet seit März 2026 an einem eigenen Regulierungsrahmen für Prognosemärkte. Eine EU-weite Harmonisierung des Glücksspielrechts existiert nicht — jeder Mitgliedstaat reguliert selbst.

Warum sind spielgeldbasierte Prognosemärkte legal?

Ein spielgeldbasierter Prognosemarkt ist legal, weil ihm das erste und wichtigste Definitionsmerkmal des Glücksspiels fehlt: der Einsatz. Die Logik in drei Schritten:

  1. Kostenlose Teilnahme: Niemand zahlt für die Teilnahme, und die Rechtsprechung toleriert allenfalls triviale Übermittlungskosten. Wo kein Vermögenswert riskiert wird, gibt es keinen Einsatz.
  2. Nicht käufliche Spielwährung: Entscheidend ist, dass die Spielwährung unter keinen Umständen gekauft werden kann — nicht mit Geld, nicht per In-App-Kauf. Sie wird ausschließlich durch Teilnahme und Treffsicherheit verdient. Damit bleibt der Vermögensbezug dauerhaft ausgeschlossen. (Der US-Markt zeigt die Gegenprobe: „Sweepstakes"-Modelle, bei denen Spielwährung faktisch käuflich ist, geraten regelmäßig ins Visier der Aufsicht.)
  3. Keine Auszahlung: Guthaben und Punktestände sind nicht in Geld konvertierbar.

Plattformen wie Prediqu sind exakt nach diesem Prinzip gebaut: kostenlose Teilnahme, eine nicht käufliche Spielwährung, keine Auszahlbarkeit — und ein Fragenkatalog mit klaren inhaltlichen Grenzen (keine Fragen zu Todesfällen, Privatpersonen oder beeinflussbaren Ereignissen). Das Ergebnis ist ein Prognosemarkt, der die Schwarmintelligenz-Mechanik der großen internationalen Plattformen bietet, aber vollständig außerhalb des Glücksspielrechts operiert.

Was bedeutet das für Nutzer in Deutschland?

Für Nutzer in Deutschland ist die Lage 2026 eindeutig: Echtgeld-Prognosemärkte meiden, spielgeldbasierte Plattformen frei nutzen. Wer über VPN auf gesperrte Echtgeld-Anbieter zugreift, riskiert nicht nur die Strafbarkeit der Teilnahme (§ 285 StGB) — Verträge über unerlaubtes Glücksspiel sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zudem nichtig, was in der Praxis zu jahrelangen Rückforderungsprozessen führt. Spielgeldbasierte Prognoseplattformen erfordern dagegen keine Lizenz, keine Registrierung bei einer Behörde und keinerlei rechtliches Risiko für Teilnehmer.

Wie geht es weiter? Der Ausblick

Drei Entwicklungen sind zu beobachten: Erstens die Malta-Initiative — sollte die MGA einen Lizenzrahmen für Prognosemärkte schaffen, entstünde erstmals ein EU-Lizenzpfad. Zweitens die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags, deren Ergebnisse eine Reformdebatte um 2028/29 prägen dürften; jede Änderung erfordert allerdings die Zustimmung aller 16 Landesparlamente. Drittens der wachsende internationale Kontrast: Während in den USA 2025 über 76 Milliarden US-Dollar auf Prognosemärkten umgesetzt wurden und die New Yorker Börsen-Mutter ICE bis zu 2 Milliarden US-Dollar in Polymarket investierte, bleibt Europa vorerst beim Verbotsmodell — mit der stake-freien Spielwährungs-Variante als dem einen Modell, das schon heute legal funktioniert.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Polymarket in Deutschland legal?

Nein. Die GGL hat im September 2025 öffentlich vor Polymarket gewarnt. Ereigniskontrakte mit Geldeinsatz sind in Deutschland nicht erlaubnisfähig, und die Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel ist nach § 285 StGB strafbar.

Ist Prediqu legal?

Ja. Prediqu verwendet ausschließlich eine kostenlose, nicht käufliche Spielwährung. Ohne Geldeinsatz fehlt das zentrale Definitionsmerkmal des Glücksspiels nach § 3 GlüStV — die Plattform fällt damit nicht unter das Glücksspielrecht und ist erlaubnisfrei nutzbar.

Kann ich mich strafbar machen, wenn ich auf ausländischen Echtgeld-Prognosemärkten mitmache?

Ja, das Risiko besteht. § 285 StGB stellt bereits die Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel unter Strafe. Zudem sind entsprechende Verträge nichtig, was Gewinnauszahlungen rechtlich angreifbar macht.

Gibt es irgendwo in Europa lizenzierte Prognosemärkte?

Ja, seit März 2026: ADI Predictstreet ist in Gibraltar lizenziert. Da Gibraltar nach dem Brexit keine EU-Passportierung bietet, gilt diese Lizenz jedoch nicht in Deutschland oder der EU. Malta arbeitet an einem eigenen Rahmen.

Warum darf man auf Sport Geld setzen, aber nicht auf Wahlen?

Der Glücksspielstaatsvertrag erlaubt lizenzierten Anbietern nur Sportwetten auf definierte Sportereignisse. Sogenannte Gesellschaftswetten auf Wahlen, Politik oder Kultur sind ausdrücklich nicht erlaubnisfähig — unter anderem wegen Manipulations- und Integritätsbedenken.


Stand: Juli 2026. Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Quellen u. a.: GlüStV 2021 (§§ 3, 4, 21), GGL-Pressemitteilung vom 05.09.2025, GlüStV-Novelle 2026 (DNS-Sperren), Berichte zur koordinierten Aktion von neun EU-Regulierern (Juni 2026), Gibraltar Gambling Division (März 2026).